Exkursion Belgien

Waterloo, Mons (SHAPE), Ypernbogen

7. bis 10. September 2006

Die erste Exkursion des Arbeitskreises Militärgeschichte fand im September 2006 unter Leitung von Dr. Markus Pöhlmann statt und führte die ca. 25 Teilnehmer auf das Schlachtfeld von Waterloo (südlich Brüssel), wo am 18. Juni 1815 die letzte Entscheidungsschlacht der napoleonischen Kriege ausgetragen wurde; zum europäischen NATO-Hauptquartier SHAPE bei Mons, von dem aus die weltweiten NATO-Einsätze operativ geführt werden; und zu den Schlachtfeldern und Soldatenfriedhöfen des Ypernbogens, 1914 bis 1917 Schauplatz der Flandernschlachten zwischen hauptsächlich deutschen und Commonwealth-Truppen. (Die Karte links zeigt die Reiseroute; die Stationen am Ypernbogen gehen aus der zweiten Karte weiter unten hervor.) Die Exkursion begann und endete in Köln und wurde durchgehend mit einem kleinen Reisebus durchgeführt. Übernachtet wurde in Brüssel, Ypern und Lille jeweils in einem dem studentischen Geldbeutel angemessenen Hotel. An den einzelnen Stationen fanden Einführungen durch fachkundige Referenten des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V. statt.


Einführungen durch Dr. Markus Pöhlmann in Langemark, Dr. Christian Th. Müller in Ypern und Dr. Dierk Walter in Waterloo

| 7. September: Waterloo | 8. September: Mons | Ypern | 9. September: Vladslo | Langemark | Tyne Cot | Hill 62 | Kemmelberg | Bayernwald | Krater |

 

7. September 2006

Waterloo

Entscheidungsschlacht der Napoleonischen Kriege, 18. Juni 1815


Der Löwenhügel in Waterloo hat zwar in den 1820ern die Topographie des Schlachtfeldes unwiderbringlich entstellt, bietet aber einen hervorragenden Überblick über das Gelände.


Blick vom Löwenhügel nach Osten über das Zentrum der anglo-alliierten Stellung. Quer durch das Bild verläuft die (leider heute sehr befahrene) Hauptstrasse von Charleroi (Süden/rechts) nach Brüssel (Norden/links). Die von links vorne nach rechts hinten verlaufende Straße war 1815 der Hohlweg, der das Rückgrat der Stellung bildete. Das Bodenprofil ist durch die Aufschüttung des Löwenhügels abgeflacht.


Der Hof La Haie Sainte an der Straße nach Brüssel, der während der Schlacht von der King's German Legion verteidigt wurde und erst gegen Abend fiel, ist kaum verändert.


Blick von der Brüsseler Straße nach Südosten auf die Bodenwelle, von der aus die franzöische "große Batterie" von 60 Geschützen das anglo-alliierte Zentrum unter Feuer nahm (Mitte links) und die Hügellinie, von der aus das französische I. Armeekorps seinen Frontalangriff vortrug (Hintergrund).

8. September 2006

Mons

Europäisches NATO-Hauptquartier SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe)


Die Gruppe (links vor dem Haupteingang von SHAPE) hörte Vorträge ("Briefings") des offiziellen SHAPE-Chronisten und amerikanischen Militärhistorikers Dr. Gregory Pedlow zu seiner Rolle bei SHAPE und des Presseoffiziers, Oberstleutnant Vosseler, zur sich wandelnden Struktur und neuen Aufgaben SHAPEs und der NATO.


SHAPE nimmt heute auch Kommandofunktionen für die Europäische Union wahr.

Ypern


Die malerische westflämische Mittelstadt Ypern (ca. 30.000 Einwohner) wurde im Ersten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht und danach mit großem Aufwand wiederaufgebaut. An die Zerstörung erinnert heute fast nichts mehr.


Das massige gotische Gewandhaus ist nicht nur die auffälligste Struktur Yperns und Landmarke der Region, sondern beherbergt auch das Museum "In Flanders Fields", das mit hochmoderner (und audiovisuell mitunter etwas überwältigender) Museumspädagogik die Schlachten im Ypernbogen 1914-1917 sowie die Zerstörung und den Wiederaufbau der Stadt illustriert.


Die Exponate waren in der Regel interessant, aber doch häufig unzulänglich präsentiert und kommentiert. Die Wirkung auf den Besucher stand gegenüber der Information im Vordergrund.


Die Vauban'sche Stadtbefestigung Yperns ist teilweise erhalten.


Das Menenpoort (Menintor) erinnert seit 1927 namentlich an 55.000 im Ypernbogen gefallene britische und Commonwealth-Soldaten. Seit 1929 wird hier jeden Abend vor Einwohnern, Touristen und Veteranen der "Last Post" geblasen.

9. September 2006


Überblick der Stationen am Ypernbogen

Vladslo


Als einer der vier verbleibenden großen deutschen Soldatenfriedhöfe in Flandern ist der Waldfriedhof Vladslo knapp östlich Diksmuide die letzte Ruhestätte von über 25.000 deutschen Soldaten.


Das "Trauernde Elternpaar" von Käthe Kollwitz erinnert auch an den 1914 in Flandern gefallenen Sohn der Künstlerin, der hier begraben liegt.

Langemark

Langemark (so die korrekte Schreibweise) ist mit ca. 44.000, inzwischen überwiegend namentlich identifizierten Gefallenen der zweitgrößte deutsche Soldatenfriedhof in Flandern. Seit seiner Eröffnung 1932 unwiderruflich mit dem "Langemarckmythos" ("Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles'....") konnotiert, ist er sicher auch der bekannteste.

Tyne Cot


Der mit 12.000 Einzelgräbern größte Commonwealth-Soldatenfriedhof beider Weltkriege entstand direkt nach der Eroberung der Passchendaele-Hügellinie durch Commonwealth-Truppen während der 3. Flandernschlacht 1917. Auffällig ist, wie sehr sich britische und deutsche Friedhöfe in Anlage und Stil unterscheiden.


Einer der im Friedhofsgelände eingeschlossenen deutschen Bunker aus der Flandernschlacht. Der Blick geht auf das Feuerfeld des Bunkers nach Südwesten; am Horizont Ypern und der Kemmelberg.

Hill 62


Eine der kurioseren Stationen der Reise war das private "Museum" Hill 62 (Sanctuary Wood) bei Zillebeeke. Vollgestopft mit Weltkriegs-Gerät und -Devotionalien, war trotz eines stolzen Eintrittspreises von € 6,00 von irgendeiner bewussten Präsentation der "Exponate" keine Rede.


Interessant waren jedoch die Guckkästen mit stereoskopischen Originalaufnahmen von Front und Hinterland.

Offizielle Hauptattraktion von Hill 62 ist das Grabensystem auf dem (inzwischen wieder) bewaldeten Hügel. Über die genaue Einordnung ins Gelände, vor allem aber über die Authentizität der Gräben und Granattrichter, waren die Meinungen geteilt.

Kemmelberg


Der den Ypernbogen im Südwesten abschließende und trotz seiner bescheidenen Höhe von 159m das flache Land Flanderns weithin dominierende Kemmelberg ist Standort eines französischen Monuments. Der Berg wurde während der deutschen Großoffensive 1918 zeitweilig von deutschen Truppen besetzt. Die heutige starke Bewaldung lässt nicht nur die taktische Bedeutung des Berges als den ganzen Ypernbogen überschauende Position kaum mehr erahnen, sondern verdeckt auch die Sichtachse vom Monument auf den am Fuss des Berges befindlichen französischen Friedhof mit über 5.000 Gefallenen, von denen nur gut 50 namentlich identifiziert sind.

Bayernwald


Erst seit 2004 ist die ehemalige bayerische Grabenstellung an der Nordwestecke des sogenannten Wytschaetebogens ausgegraben und rekonstruiert.


Wie von fast jedem Ort im Ypernbogen bietet sich auch hier ein weiter Blick auf die Ebene und die Stadt Ypern.

Krater


Mit der Explosion von 17 großen Minen unter den deutschen Stellungen begann am 21. Mai 1917 der alliierte Angriff auf den Wytschaetebogen (Schlacht von Mesen/Messines). Zwischen Kemmel und Wijtschate/Wytschaete ist einer der Krater als kleiner, schwer auffindbarer See zurückgeblieben.

Bericht: Dierk Walter; Photos: Dierk Walter, Christian Th. Müller, Rüdiger v. Dehn

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